Die Fehlfarben sind seit 27 1/2 Jahren ein Stolperstein
des deutschen Pop. Sie hatten nie vor einer Generation die Selbstfindung
zu erleichtern. Und dennoch sind „Grauschleier", „Ein Jahr (Es
geht voran)" oder „Die Wilde 13" längst Teil einer
kollektiven Erinnerung.
Als die Fehlfarben 2002 ihre Wiedervereinigung mit Sänger Peter Hein
bekannt gaben und das Album „Knietief im Dispo" veröffentlichten,
ging ein Begeisterungstaumel durch die deutschen Feuilletons und
Musikzeitschriften. Als hätte lange Jahre etwas wichtiges gefehlt. Und so
war es ja irgendwie auch.
Das Anfang 2006 veröffentlichte Jubiläums-Album „26 ½" bewies
dann ein weiteres mal, welchen Status die 1979 gegründeten Fehlfarben
inzwischen genießen: Herbert Grönemeyer, Jochen Distelmeyer, Helge
Schneider, Sven Regener, Campino – über ein Dutzend von den Fehlfarben
bewegte Kollegen interpretierten als Geburtstagsständchen ein Stück der
Band. „Chirugie 2010", der einzige wirklich neue Song und der
einzige, den Peter Hein alleine gesungen hat, war dann trotzdem der
heimliche Höhepunkt des Albums.
Das aktuelle Album „Handbuch für die Welt" geht noch Stück
weiter, ist vielleicht das beste Fehlfarben Album seit „Monarchie und
Alltag". Große Worte, sicher, aber hat man die Band schon einmal so
druckvoll gehört? War Hein jemals so schmerzhaft treffend und dann wieder
so zärtlich? Es gibt Lieder auf „Handbuch für die Welt", die sind
wie ein Faustschlag in die Fresse. Andere sind so berührend und
persönlich, dass es einem fast den Atem raubt. Die Fehlfarben haben
nichts verlernt, ein absoluter Klassiker der deutschen Musikszene, Vorbild
für ganze Bandgenerationen, live im Kulturladen.